Clemens Tönnies kein Bürge für Verbindlichkeiten von Schalke 04

Clemens Tönnies haftet nicht als Bürge für die Verbindlichkeiten des FC Schalke 04. Dies stellte Finanzvorstand Peter Peters auf einer Veranstaltung in Hamburg klar.
Die Bild-Zeitung hatte nach den Fan-Protesten während des Heimspiels gegen den

SC Paderborn ein Angstszenario entworfen. Tönnies könnte aus Verärgerung über 
die teils heftige Kritik an seiner Person „den Stecker ziehen“, seine Bürgschaft aufkündigen – und Schalke damit in die Insolvenz treiben. Diese Darstellung wies 
Peter Peters zurück. „Wir haben zum wiederholten Male die DFL-Lizenz für die 
Bundesliga ohne jegliche Bedingungen und Auflagen erhalten – und auch ohne
eine Bürgschaft von Clemens Tönnies.“

Peter Peters sprach auf einer Informations- und Diskussionsveranstaltung, zu der der
S04-Mannschaftsbetreuer von Hamburg, Volker Netzer, Mitglieder des Vereins eingeladen hatte. Knapp 100 königsblaue Vereinsangehörige fanden den Weg in 
die „Villa 23“ an der Außenalster. Nachdem der Beauftragte für Mitgliederinteressen, Florian Hartmann, über die Satzungsänderungsanträge informiert hatte, über die die Mitglieder auf der JHV am 28. Juni zu entscheiden haben, ergriff Peter Peters das Wort. Und er ging gleich in die Vollen. Viele Schalker seien der Meinung, Heldt müsse weg oder fragten sich, warum Tönnies so viel Macht habe. „Bei aller Emotionalität müssen Prozesse im Verein aber nach Regeln ablaufen.“ Deshalb sei die Arbeit an der Satzung, dem „Grundgesetz von Schalke 04“, so wichtig.

Er erläuterte auch, welche Regeln aus seiner Sicht für den Aufsichtsrat gelten.
Dieser habe „enormen Einfluss auf das operative Geschäft“ – spätestens seit die 
Lex Magath abgelehnt worden sei, die den ehemaligen Trainer und Manager 
Felix Magath ermächtigt hätte, Geschäfte über 300.000 Euro auch ohne Genehmigung
des Aufsichtsrats abzuschließen.

Als Aufsichtsratsvorsitzender müsse Clemens Tönnies den Vorstand kontrollieren und
deshalb auch in das operative Geschäft eingebunden sein. „Er muss sich in diesem Zusammenhang auch mal mit möglichen neuen Spielern und Trainern treffen, um sich
ein umfassendes Bild zu machen. Das ist im Sinne guter Arbeit nötig.“ Dieses Einmischen sei nicht nur die Aufgabe des Aufsichtsratsvorsitzenden, sondern sogar
seine Pflicht. Formal rechtskräftig werden Geschäfte erst, so Peters, wenn der Aufsichtsratsvorsitzende diese genehmigt und entsprechende Verträge unterschrieben habe. Die Mitglieder des FC Schalke 04, so spannte er den Bogen zurück zur Satzungsdiskussion, hätten den AR-Vorsitzenden mit viel Einfluss ausgestattet.

Eine Frage aus dem sehr gut informierten Publikum aufgreifend, wies Peters Spekulationen zurück, Tönnies hafte für Verbindlichkeiten des FC Schalke 04. Allerdings habe Tönnies dem Verein schon mehrfach geholfen, z.B. bei der Ablösung der Schechter-Anleihe oder in Zusammenhang mit der Finanzierung des Stadions. Damals hätten die Banken im Ruhrgebiet die Kredite für den Bau abgelehnt. Eingesprungen sei die Hamburgische Landesbank, die Kredite auch deshalb gewährt habe, weil sie Clemens Tönnies als Vertragspartner kannte und schätzte. Für Finanzierungsgeschäfte des Vereins sei Tönnies‘ guter Name auch heute hilfreich.

Beim Thema Fananleihe arbeite der Verein an einem Konzept, das die Rückzahlung der
Gelder regele, aber auch eine Verlängerung der Anleihe ermögliche. „Viele Fans wollen
gerne verlängern und von den guten Zinsen profitieren. Andere wollen ihr Geld pünktlich zurück. Unser Motto wird sein: ‚Jeder, wie er will.’“

Stellung nahm Peters auch zur Sonderumlage. Diese soll mit der beantragten Satzungsänderung auf das Dreifache eines Mitgliederbeitrages angehoben werden können. Peters bezeichnete diesen Schritt als „eine Art Inflationsausgleich.“ Sollten die
Mitglieder eine Sonderumlage auf der JHV ablehnen, werde es sie nicht geben. 
Ohnehin seien die Mittel, die durch die Sonderumlage zur Verfügung stehen, nur „für den ideellen Bereich“ zu verwenden, z.B. für neue Trainingsplätze der C-Jugend.
In den Lizenzspielerkader könne das Geld nicht fließen.

Zu den hohen Personalkosten auf Schalke sagte Peters, dass man diese nicht nur an Transfers von Stars wie Boateng, Sam oder eventuell Khedira festmachen könne. „Das ist nur die halbe Wahrheit.“ Schalke habe sich entschlossen, auf die Jugend zu bauen und die Knappenschmiede zu fördern. Wenn man aber Talente wie Draxler, Meyer, Kolasinac oder Friedrich an den Verein binden wolle, müsse man auch Geld in die Hand 
nehmen. Sonst laufe der Verein Gefahr, dass die Nachwuchsspieler im schlimmsten Fall nach England, Leipzig oder Wolfsburg wechselten. Peters verdeutlichte dies am Fall von Thilo Kehrer. Der U-19-Spieler werde von Inter Mailand und Chelsea London heftig umworben. „Wenn wir Top-Talente wie ihn halten wollen, können sich die Personalkosten schnell mal um drei, vier Millionen Euro erhöhen.“ Er halte das für wichtig, aber oft höre er den Satz: „Wie könnt ihr so bekloppt sein, nur daran zu denken, einen Draxler oder Kehrer ziehen zu lassen?“ Peter Peters ist davon überzeugt, dass auch bei den Konkurrenten die Etats steigen werden. In Mönchengladbach z.B., da sei er sich sicher, gehen die Personalkosten demnächst durch die Decke. Die Strategie von Schalke müsse es sein, in der Bundesliga zu den Top 6 und in Europa zu den Top 10 bis 15 zu gehören. 

Erneut bekräftigte Peters, an der Rechtsform des eingetragenen Vereins festhalten zu wollen. Er sagte aber auch: „Es gibt nicht die Wahrheit, dass die Kapitalgesellschaft immer schlecht und der Verein immer gut ist. Das zeigen die Beispiele Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig.“

Nach der Veranstaltung standen Peter Peters und die Vereinslegende Erwin Kremers für Diskussionen in kleinerer Runde zur Verfügung. Für den engagierten und teilweise emotionalen Auftritt von Peter Peters sowie für die Bereitschaft eines Vorstandsmitglieds, offen über wichtige Themen im Verein zu diskutieren, gab es von den Mitgliedern in Hamburg viel Beifall.

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