Ehrenrat (1. Teil)

Heute beschäftigen wir uns mit dem „Ehrenrat“, einem Vereinsgremium, das in der Vergangenheit nicht sonderlich in Erscheinung getreten ist, aber zuletzt durch den Brief an den Ehrenrat zum Thema „Putin-Besuch“ in den öffentlichen Fokus gerückt ist.

Viel Feind, viel Ehr

Der Ehrenrat hat mit dem Begriff der „Ehre“ eigentlich nicht viel zu tun. Zwar soll der Name andeuten, dass in diesem Gremium Personen vertreten sind, denen man hohes Ansehen und Anerkennung im Verein entgegen bringt, die eigentliche Funktion des Ehrenrats ist aber die eines „vereinsinternen Schiedsgerichts“.

Aber was sind denn nun genau die Aufgaben des Ehrenrats? Laut Vereinssatzung ergeben sich diese aus der sogenannten ,,Rechts- und Verfahrensordnung”, die in §5 Absatz 1 beschrieben ist. Verallgemeinernd gesagt wird der Ehrenrat dann eingeschaltet (oder er schaltet sich selbst ein), wenn es zu Streitigkeiten innerhalb des Vereins FC Schalke 04 kommt.

Hiermit sind selbstverständlich nicht harmlose Zwistigkeiten unter den Fans – etwa weil der eine dem anderen ein Bier über das Trikot geschüttet hat – gemeint, sondern vielmehr Streitigkeiten wie Verstöße gegen die Vereinssatzung oder der Anfechtung von Entscheidungen des Vorstandes, Aufsichtsrates oder der Mitgliederversammlung.

Da in diesem Amt Schiedsspruch-ähnliche Entscheidungen getroffen werden, müssen auch mindestens zwei der Mitglieder des Ehrenrats zum Richteramt befähigt sein.

Als betroffenes Mitglied muss man den Ehrenrat selbst ,,anrufen”, das gilt sowohl bei Streitigkeiten unter Mitgliedern wie auch zwischen Mitglied und Verein. Bekommt der Ehrenrat aber davon Wind, dass es zu grob unsportlichem oder vereinsschädigendem Verhalten von Mitgliedern oder Organmitgliedern oder zu rechtswidrigem bzw. satzungswidrigem Handeln von Vereinsorganen gekommen ist, wird er selbst tätig.

Der Ehrenrat gilt insofern auch als eine Art Schlichtungsstelle, als dass der Ehrenrat immer erst vor der Beschreitung des ordentlichen Rechtswegs (Klage, Strafanzeige bei der Polizei) eingeschaltet werden muss.

Die beabsichtigte Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens ist dem Ehrenrat schriftlich mitzuteilen, und nur wenn der Ehrenrat eine vereinsinterne Beilegung und Beendigung der Streitigkeit für unmöglich erklärt hat, darf der weitere Rechtsweg beschritten werden.

Ehre, wem Ehre gebührt

Der Ehrenrat besteht laut Satzung aus fünf aktiven oder passiven, über 30 Jahre alten Mitgliedern, die mindestens fünf Jahre dem Verein angehören. Die Ehrenratsmitglieder dürfen keinem anderen Vereinsorgan angehören und ihre Tätigkeit ist unabhängig und frei von Weisungen anderer Vereinsorgane. Niemand darf ihnen also in ihren Entscheidungen reinreden.

Der Ehrenrat wählt aus seiner Mitte einen Vorsitzenden, sowie dessen Stellvertreter und gibt sich eine Geschäftsordnung.

Ehre sei Gott in der Höhe

Vorsitzender des Ehrenrats ist seit dem 1. August 2012 Pfarrer i.R. Hans-Joachim Dohm, der jedenfalls vielen noch als evangelischer ,,Stadionpfarrer” bekannt sein dürfte, denn in der Arena-Kapelle hat er schon etliche Trauungen und Taufen vollzogen. Zudem hat er bei dem Begräbnis von Charly Neumann die Trauerrede gehalten.

Morgen geht’s weiter mit dem 2. Teil.

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