Mit dem Schalker Kreisel Nummer 15 hat der FC Schalke 04 nicht nur die Einladung zur diesjährigen Mitgliederversammlung verschickt, sondern auch ein neues Konzept namens „Starkes Schalke“ präsentiert.
Jetzt fragt Ihr Euch vielleicht: Warum denn noch ein Konzept? Wir haben doch schon ein Leitbild in der Satzung verankert, reicht das nicht aus?
Diese Fragen haben wir uns auch gestellt. Und um es vorweg zu nehmen, eine plausible Antwort darauf haben wir nicht gefunden. Doch schauen wir uns das Ganze mal etwas genauer an.
Das Konzept „Starkes Schalke“, das von Aufsichtsrat, Vorstand und Ehrenrat getragen und nun auch auf den Regionaltreffen des SFCV beworben wird, besteht aus einigen Leitlinien zu Werten und Zielen des Vereins, zudem werden drei Satzungsänderungsanträge genauer vorgestellt.
Die drei Anträge zur Satzungsänderung beschäftigen sich mit einer Erweiterung des Antidiskriminierungs-Abschnitts in § 2 unserer Satzung (die völlig unstrittig ist), mit der Erhöhung der Anzahl der kooptierten Aufsichtsräte (zu einem späteren Zeitpunkt dazu von uns mehr) und zu einer strukturellen Änderung im Gremium des Wahlausschusses. Da aber nun alle Anträge zum Wahlausschuss zurückgezogen sind (siehe hier und hier), wirkt auch das Konzept „Starkes Schalke“ inzwischen ziemlich ausgedünnt.
Folgende Bilder zeigen einen Scan der Seiten aus dem Schalker Kreisel, wenn man die Passagen, die den Wahlausschuss betreffen und die nun nicht mehr zur Debatte stehen, herausstreicht:
Und nun noch einmal zu den genannten Leitlinien:
Ein Starkes Schalke …
… bezieht die Interessen der Fans und Mitglieder in die Entscheidungen der Gremien mit ein. Das muss personell und strukturell gewährleistet sein.
… ist ein demokratisches Schalke, in dem man Menschen mit anderen Meinungen respektiert und sie ausreden lässt, in dem wir uns tatsächlich auf Augenhöhe begegnen.
… setzt bei aller Emotionalität auf Sachverstand und nicht auf Demagogie, versteht Professionalisierung auf allen Ebenen als Voraussetzung für Erfolg.
… vergisst bei allen internen Streitigkeiten nie, dass unsere Gegner die anderen Vereine sind.
… ist erfolgshungrig: auf dem Spielfeld, auf den Rängen, bei den Finanzen.
… respektiert und achtet die traditionellen Werte des Vereins, ohne dabei den Blick nach vorne zu vernachlässigen.
… fördert die schrittweise Weiterentwicklung des Vereins mit Augenmaß, nicht hektische Umstürze.
… vereint Fortschritt und Reformen mit Stabilität und Kontinuität.
… ist mutig und zuversichtlich, nicht ängstlich und verzagt.
Grundsätzlich stimmt wahrscheinlich jeder den Leitlinien aus dem Konzept „Starkes Schalke“ zu. Klingt ja auch alles sehr vernünftig. Dennoch muss man sich schon fragen, wozu die eigentlich dienen sollen. Im Prinzip handelt es sich ja um Selbstverständlichkeiten bzw. um Allgemeinaussagen, die so in dieser Form auch bereits im Leitbild formuliert sind (z.B. zur Kommunikation auf Augenhöhe). Ist „Starkes Schalke“ also nicht einfach das gleiche wie unser Leitbild nur in anderen Worten beschrieben?
Wofür steht also „Starkes Schalke“ nun noch?
Wird mit den Satzungsänderungsanträgen des „Starken Schalke“ nun tatsächlich – wie im Konzept erläutert – ein Bekenntnis zur Rechtsform „e.V.“ abgelegt? Falls ja, worin begründet sich das denn?
Und haben wir es wirklich nötig, uns stark zu reden? Dass Schalke stark ist, daran besteht doch gar kein Zweifel. Schalke ist stark, verdammt stark sogar. Und geil. Sonst wären wir alle nicht Fan dieses Clubs. Vielleicht müssen sich die Verantwortlichen auch einmal fragen lassen, ob sie das Geld für diese Kampagne, an der auch externe Kommunikations-Dienstleister beteiligt waren, nicht besser in die Entschuldung unseres Vereins gesteckt hätten. Da klafft nämlich immer noch ein Riesenloch, das wir alles andere als „stark“ finden.
Wir würden sicher nicht so weit gehen und behaupten, dass „Starkes Schalke“ nur ein Deckmantel war, um darunter die Strukturen des SFCV noch enger an die des Muttervereins zu knüpfen. Allein es fehlen uns die Ideen, was das Ganze ansonsten bezwecken sollte. Sachdienliche Hinweise nehmen wir aber gern entgegen.
Warum ist für euch die Satzungsänderung zum Thema Antidiskriminierung unstrittig? Die hat da nämlich überhaupt nix verloren. Dafür gehört nicht unsere Satzung geändert sondern das Leitbild angepasst. Ach nee Sorry. Natürlich muss man dafür in der Satzung rumpfuschen weil auf das Leitbild ja sowieso geschissen wird. Problematisch an solchen Anträgen ist ja, dass man von Natur aus keine Opposition beziehen könnte selbst wenn man es wollen würde. Denn dann ist man ja ein Rassist, Schwulenfeind oder weiß der Geier was und darum haben solche Anträge Narrenfreiheit.
Ich persönlich habe nichts gegen Schwule,Lesben,Behinderte oder Menschen aus welchen ländern auch immer. Aber wenn ich in Dortmund im Block stehe und zusammen mit tausend anderen Schalkern den Schwulen BVB besinge, dann tue ich das nicht aus homophoben Gründen. Ich will nicht gegen unsere Satzung verstoßen nur weil Anti Homophobie und political correctness beim Fussball mittlerweile Hip und Cool sind…
Hallo Tommy, „unstrittig“ deshalb, weil wir der festen Überzeugung sind, dass dieser Satzungsänderung mit einer 2/3-Mehrheit sicher zugestimmt wird.
Und meine persönliche Meinung dazu: Ich finde es verdammt cool, dass Anti-Homophobie und political correctness beim Fußball cool sind.
Ich glaube „Starkes Schalke“ ist kein in sich geschlossenes inhaltliches Konzept, es ist mehr so etwas wie ein Marketing-Konstrukt: Ein Label, was verschiedensten Ideen, die Vorstand und AR aus verschiedenen Gründen umsetzen wollen, angeheftet wird. Die Anträge haben inhaltlich und von ihren Hintergedanken quasi nichts miteinander zu tun, durch die Überschrift „Starkes Schalke“ und die Verknüpfung mit dem Erhalt des e.V. lassen sie sich einfach besser verkaufen. Ich kann darum jedem Mitglied nur raten, die Anträge einzeln zu lesen und jeweils einzeln zu entscheiden, ob man zustimmt – unabhängig davon, ob Schalkes Schalke drauf steht oder nicht.